Wieder droht der Verlust einer Identifikationsfigur

Dieser Text erschien auch als Kolumne in der Eishockey- News Ausgabe vom 27. November 2012

Es macht Spaß zu sehen, wie die „Lock-Out-Stars“ die Liga veredeln, ohne sie komplett zu dominieren. Das zeigt auch die Qualität langjähriger DEL- Leistungsträger auf. Sie bleiben wichtige Identifikationsfiguren, gerade auch dann, wenn die Gastspieler wieder weiter ziehen. Letztere Füllen auch einige Lücken auf. Man denke nur an die Eisbären Berlin, die innerhalb eines Jahres Steve Walker, Denis Pederson, Stefan Ustorf und zuletzt Sven Felski verloren haben. Spieler, die die Liga dominiert haben. Aushängeschilder.

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich lese, dass auch Tino Boos über sein Karriereende nachdenken muss. Natürlich ist ab Mitte 30 das Ende einer Profilaufbahn absehbar. Schade ist, wenn man es nicht bestimmen kann, sondern der Körper nach vielen Profijahren diese Entscheidung trifft.

Ustorf, Felski, Boos – auch wenn bisher nur Felle den Cut offiziell gemacht hat – es wäre der Verlust einer Troika, die eine Ära im deutschen Eishockey mit geprägt hat. Sportlich, wie menschlich. Viel geforderte Identifikationsfiguren und Vorbilder. Teil einer Generation, die sich gegen einige Widrigkeiten durchgesetzt und sicher auch dazu beigetragen hat, dass die Wertschätzung deutscher Spieler auf dem heutigen Level angekommen ist.

Bevor das wie ein Nachruf klingt: Ich würde mir wünschen, dass solche Leute unserem Sport erhalten bleiben. Es ist sogar die große Chance für Liga und Verband, ihre Kompetenzteams mit ihnen zu stärken. Das braucht doch unsere Sportart: Leute, die sich in der Szene, die sich in den letzten Jahren ja rasant verändert hat, auskennen und das Tempo auch mitgehen können. Schließlich haben sie sich im Lauf ihrer Karriere auch dadurch ausgezeichnet, dass sie über die Eisfläche hinaus gedacht haben – das durfte ich bei vielen Begegnungen dankenswerterweise erleben. Auch in dieser Hinsicht sind sie Vorbilder – und das sind bleibende Werte in einer schnelllebigen Sportart.