Es wird nie fad‘ im Direktorat

Das wird richtig spannend: Am Dienstag spielt die deutsche Eishockey Nationalmannschaft in Österreich. 5 Tage vorher gibt es weder einen Trainer noch einen offiziellen Kader.

Immerhin gibt es wohl fünf Kandidaten, die sich Anfang dieser Woche dem Direktorat (DEL-Aufsichtsratsvor­sitzender Jürgen Arnold und sein Stellvertreter Daniel Hopp DEB- Präsident Uwe Harnos, Vizepräsident Ma­nuel Hüttl), vorstellten.

Die Namen lesen sich hochinteressant – Fünf Kandidaten mit fünf außergewöhnlichen Profilen

Hans Zach – erfolgreichster deutscher Trainer der Neuzeit. Der von 1998-2004 aus einer wesentlich kleine­ren Auswahl an Spielern als heute, die in der Liga selten in Schlüsselpositionen eingesetzt wurden, ein Top 8 Team formte. Fitness, Teamgeist und ein für jeden umsetzbares „einfaches“ System sind seine Basis. Den Vorwurf, zu defensiv zu agieren, kann man heute getrost vernachlässigen. Erstens wären wir in Schweden froh drum gewesen, weil für ein internationales Mittelklasseteam die Defensive eben entscheidend ist. Zwei­tens hat unser Team Offensiv so viele talentierte Spieler mehr als damals, dass es hier viel mehr kreieren würde. Hans Zach genießt international in der Branche größten Respekt und ist hat in der Öffentlichkeit me­dial die höchste Breitenwirkung. Allerdings besitzt er auch keinen Diplomatenpass, ist sehr offen und direkt – und genau das spricht gegen seine Berufung. Unbequem für Funktionäre, allen voran Uwe Harnos, mit dem er sich nach seinem Rücktritt entzweite, ist ein Hindernis. Aber auch bei manchen Spielern kam seine Kritik als Sky- Experte bisweilen nicht gut an. Wobei man dies unter Männern ausräumen können sollte.

Bengt Ake Gustafsson ist international ein noch größerer Name. Olympiasieger und Weltmeister – Noch Fragen? Er gilt als „Players Coach“, was in der KHL als zu weich galt und auch in Zürich nicht funktionierte. Die einzige Frage ist: Als Trainer konnte er in Schweden und Russland personell aus dem Vollen schöpfen, hat mit Weltklasse- Spielern gearbeitet – Kann „Gus“ auch Underdogs? Zudem dürfte er extrem teuer sein. Gustafsson ist wohl nur möglich, wenn ein externer Sponsor ihn bezahlt. Gut, dass im Direktorat einer sitzt, der das stemmen könnte.

Dan Ratushny hat alle Voraussetzungen ein internationaler Spitzentrainer zu werden. Seine Erfolge mit Straubing sind kein Zufall. Die Art und Weise wie Straubing spielt, würde bestens zur deutschen National­mannschaft und ihren Spielertypen passen. Sein Umgang mit der Mannschaft ist vorbildlich. Als Spieler war er in sieben Ländern tätig, diese internationale Erfahrung fehlt ihm als Trainer.

Pat Cortina ist hier als ehemaliger Italienischer und ungarischer Nationalcoach ein Stück weiter. In Mün­chen hat er gezeigt, wie viel er aus einem Außenseiter herausholen kann. Vom Typus eher einer wie Hans Zach: Hart aber gerecht… Wie bei Dan Ratushny stellt sich aber die Frage, in welchem Umfang eine Doppel­funktion seitens seines Vereins erwünscht ist. Allerdings wurden im Vorfeld alle DEL- Klubs diesbezüglich abgefragt und zunächst geht es um die Zeit bis zur Olympia- Qualifikation. Denn wie erwähnt ist die Doppel­funktion dauerhaft seitens Liga und Verband unerwünscht.

Björn Kinding – sicherlich der Überraschungsgast in dieser Runde. Vor vielen Jahren Nationalcoach in Dänemark und Japan. In der Schweiz hat er in Biel seine Spuren hinterlassen und war zuletzt im Junioren Eishockey in Nordamerika tätig. Ein hierzulande unbeschriebenes Blatt, der den Job wohl nur durch ein herausragendes Konzept bekommen würde.

Denkbar wäre aber in Sachen Pat Cortina zur kommenden Saison eine hausinterne Lösung, wenn Red Bull das Projekt München weiterführt: Salzburgs Trainer Pierre Pagé macht seit langem kein Geheimnis daraus, dass er gerne wieder in Deutschland arbeiten möchte.

Für das Spiel am Dienstag mag das alles zweitrangig sein. Wichtig ist einzig und allein die erfolgreiche Olympia- Qualifikation im Februar: Sportlich wie finanziell existenziell für das deutsche Eishockey.

Dass sich die Nationalmannschaft in dieser schwierigen Phase befindet, ist ein hausgemachtes Problem. Das frühzeitige Festlegen auf a) die Ablehnung einer Doppelfunktion und b) den schwer zu bekommenden Wunschkandidaten Ralph Krueger war ein schwerer taktischer Fehler von DEB- Präsident Uwe Harnos, der gleichzeitig auf den Verzicht auf das erfolgreiche Duo Uwe Krupp/ Harold Kreis hinauslief.

Dass Krupp durch die Äußerung, der von Harnos entmachtete Franz Reindl solle als Sportdirektor zurück­kehren, Öl ins Feuer goss, mag den Weg weiter zementiert haben. Genauso die Äußerung von Berlins Ma­nager Peter John Lee, Krupp würde als künftiger Kölner Trainer Nationalspieler abwerben. In der Tat wech­selte Alex Weiß von den Eisbären nach Köln – nachdem er von Trainer Don Jackson öffentlich kritisiert und in die vierte Reihe abgeschoben wurde. Dass er den Weg zu einem Trainer, dessen Arbeit er anerkennt und umgekehrt, findet – kann man ihm nicht vorwerfen. Die Spieler sind mündige Profis und spielen für Geld so­wie eine persönliche Perspektive. Natürlich hat ein Bundestrainer, der auch Vereinstrainer ist, einen direkten Zugang zu Spielern und diese wissen was sie erwartet. Der einzige Stamm- Nationalspieler, der in der Ära Krupp nach Köln wechselte, ist aber Felix Schütz – und den wollte Ingolstadt nicht mehr. Für mich sind sol­che Vorwürfe Ablenkungsmanöver.

Dass man unbedingt dauerhaft einen Vollzeit- Bundestrainer finden will zeugt auch von wenig Vertrauen in den erweiterten Trainerstab dahinter, einen Teilzeit- Bundestrainer (oder ein solches Gespann) optimal zu unterstützen, gerade im „U“- Bereich. Deshalb muss Peter John Lee jetzt diesen Eiertanz „keine Doppelfunk­tion“ genauso mitmachen, wie übrigens Daniel Hopp.

Denn sind wir ehrlich: Der ideale Bundestrainer wäre Harold Kreis. Er war zuvor schon – in Doppelfunktion übrigens – Co-Trainer, de facto aber mehr als das. Kreis hat 150 Länderspiele absolviert, ist auch als Ver­einstrainer ein Mann von internationalem Renommé, der Mannschaften formen kann, dessen System die DEB- Auswahl schon 2010 und 2011 spielte. Und: Der sehr viel Fachwissen und klare Vorstellungen hat, wie Strukturen in der Nachwuchsarbeit auszusehen haben und das auch vermitteln kann. Intern wie extern. Denn auch das muss ein Anforderungsprofil für einen deutschen Bundestrainer sein: Er muss Medientaug­lich sein. Kreis ist in all diesen Bereichen ein Vorzeigeprofi.

Das Problem an der ganzen Sache: Mannheim wäre dumm, ihn freizugeben, da er den Adlern die lange feh­lende Ausrichtung verpasst hat, die langfristigen Erfolg garantieren wird. Gleichzeitig ist selbst bei einer Durststrecke eine Entlassung ausgeschlossen. Letztendlich wird Kreis – sollte sich bei Vertragsende die Si­tuation ergeben, sich aussuchen können, welchen Job er machen will.

Aber warum in die Ferne blicken: An diesem Wochenende wird wohl der NHL Lockout beginnen. Zahlreiche Spieler werden nach Europa kommen. Wie ist das eigentlich mit den Trainern? Vielleicht kann man ja Ralph Krueger von den Edmonton Oilers „ausleihen“. Es wäre nicht einmal eine Doppelfunktion – und hätte das nicht eine gewisse Ironie?