Der Alpenvulkan wird zum Feuerwehrmann

Auch erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 5. Januar 2014

Drei Dinge sollte man in Gegenwart von Hans Zach tunlichst vermeiden: Rauchen, seine große Leidenschaft Fischen als Angeln bezeichnen, und als Sportler sein Talent nicht ausschöpfen. Auf Letzteres reagiert gerade der Eishockey- Trainer Hans Zach allergisch. Es ist deshalb keine Überraschung, dass er gleich nach seinem ersten Spiel mit den Adlern Mannheim sagte: „Ich habe Spieler gesehen, die gut gekämpft haben, aber es gibt in dieser Liga auch viele, die nur Alibispieler sind. Ich bin ein Fachmann und erkenne das. Diese Spieler haben dann Probleme.“ Vor allem dann, wenn sie dazu beitragen, dass eine Mannschaft nach 2:0 Führung noch 2:3 verliert wie die Adler am Freitag in Krefeld.

Hans Zach ist zurück an der Bande. Dreieinhalb Jahre nachdem er sich mit dem Meistertitel aus Hannover in den geliebten Isarwinkel nach Bad Tölz verabschiedet hatte. Mit 64 Jahren ging er davon aus „nie mehr Trainer zu sein. Ich hatte komplett damit abgeschlossen.“ Endlich war Zeit zum Tourengehen in den Bergen, Reisen, vor allem aber den Huchen fischen – einen extrem schwer zu fangenden, edlen Flussfisch, der von Herbst bis Ende Februar Saison hat. Ausgerechnet dann also, wenn Eishockey gespielt wird. Nicht, dass es immer wieder an Angeboten gemangelt hätte. Es war keines dabei, das den erfolgreichsten deutschen Trainer der Neuzeit annähernd so gereizt hätte, um das aufzugeben. Nur Bundestrainer wäre er schon noch einmal gerne geworden, nachdem er von 1998 bis 2004 eine erfolgreiche Ära mit der Nationalmannschaft geprägt hatte und sie in den Top Acht der Welt etablierte. Sein Konzept stellte er dem Deutschen Eishockey- Bund zwar vor einem Jahr vor, aber als es hieß, er solle in Personalunion zusätzlich den Job des Sportdirektors übernehmen, lehnte Zach ab. Er sei kein Büromensch. Es gibt nicht wenige, die meinen, dass die Herren beim Verband nicht so unglücklich darüber waren, hätten sie sich doch mit einigen unbequemen Wahrheiten über ihre Arbeit auseinandersetzen müssen.

Denn Zach redet keinem nach dem Mund, seine Analysen sind schonungslos – im Positiven wie im Negativen.

Dafür erntete er in den zwei Jahren nach 2010, in denen er für den Fernsehsender Sky Eishockeyspiele kommentierte, viele Sympathien bei den Zuschauern, aber auch manche beleidigte Spitze aus der Szene, wenn die sich aus der Komfortzone herausgezerrt fühlte.

So gesehen ist Daniel Hopp ein mutiger Mann. Der Hauptgesellschafter der Adler Mannheim ist mit 33 jung an Jahren, steht aber als Geschäftsführer schon über ein Jahrzehnt an der Spitze des Klubs. Noch an Sylvester reiste er zusammen mit Manager Teal Fowler nach Bad Tölz, um Hans Zach als Trainer zu verpflichten. „Das hat mir ebenso imponiert, wie mich Mannheim als Aufgabe reizt“, sagt Zach. Die Rückmeldungen aus dem privaten Umfeld, auch von seiner wichtigsten Beraterin, Ehefrau Slada, waren positiv, so dass sich Zach schnell entschloss, seiner Vita ein wohl auch fehlendes Glied hinzuzufügen. Mit Düsseldorf (die DEG führte er Anfang der 90er Jahre zu drei Meisterschaften), Köln und Mannheim stehen nun drei der vier größten deutschen Klubs darin, dazu kommen die Jobs mit den Außenseitern Kassel und Hannover, aus denen er das Optimale herausholte. Mit Beharrlichkeit, Emotionen und einer mitreißenden Energie gepaart mit einer Mimik, die ihm den vielzitierten Spitznamen „Alpenvulkan“ einbrachte.

Nun trainiert er den Klub, der gerne als der FC Bayern des deutschen Eishockeys bezeichnet wird. Finanziell bestens ausgestattet, mit einer perfekten Infrastruktur, der besten Nachwuchsarbeit, gefolgt von einer großen Fangemeinde. Allerdings auch mit dem Makel behaftet, aus diesen Ressourcen zu wenig gemacht zu haben. Sieben Jahre sind seit dem letzten Meistertitel vergangen, so nah dran waren sie zuletzt 2012, als die Adler im Finale kurz vor Schluss den Titel verspielten. Zachs Verpflichtung gibt den traditionell hohen Erwartungen in der Kurpfalz natürlich neue Nahrung, aber der 64jährige denkt gar nicht daran, diese zu bedienen. „Man darf nicht zu euphorisch sein. Ich muss sehen wie sich das entwickelt und ob die Mannschaft als Sechster vielleicht sogar da steht, wo sie hingehört.“ Heißt übersetzt: Möglicherweise sind die Adler wieder überschätzt, wurden Spieler nach Statistiken zu teuer eingekauft, egal ob sie ins Gefüge passen oder nicht. „Es kann ja nicht sein, dass Spieler woanders gut sind und in Mannheim plötzlich nicht mehr funktionieren.“ Altersmilde ist wirklich nicht das Ding von Hans Zach. Er sagt seine Meinung deutlich – ob es dem Gegenüber gefällt oder nicht. Daniel Hopp wird angesichts solcher Analysen schon einmal geschluckt haben. Oder dem Gedanken nachhängen, warum die Adler nicht schon vor einigen Jahren versucht haben, Zach zu holen, der als Meister darin gilt, Mannschaften zu homogenen Einheiten zu formen, dazu passende Teamspieler aus dem In- und Ausland zu identifizieren und Talente einzubauen – was Mannheim lange Jahre versäumte und deshalb vom Serienmeister Eisbären Berlin den Rang abgelaufen bekam.